KSM in Shelby auf Wachstumskurs

Shelby, 10. März 2016: Die Produktion wurde erst 2014 in Betrieb genommen, doch schon jetzt ist der Standort Shelby für den deutschen Automobilzulieferer KSM Castings Group eine Erfolgsstory.

Die vollautomatisierte Produktionshalle der deutschen KSM Castings Group im US-amerikanischen Shelby, North Carolina, beeindruckt mit hochmoderner Technologie, zahlreichen Industrierobotern und präzise aufeinander abgestimmten Fertigungslinien. Es ist das neueste Werk des Automobilzulieferers. Seit 2014 werden hier im Druckgussverfahren Getriebekomponenten aus Aluminium hergestellt und bearbeitet.

Der Entschluss, in Shelby einen Produktionsstandort anzubieten, ist Teil der Unternehmensstrategie. Gemeinsam mit dem chinesischen Eigentümer CITIC Dicastal Co., Ltd., einer hundertprozentigen Tochter der chinesischen CITIC Group, setzt KSM auf globales Wachstum und die Erschließung neuer Märkte – auch in den USA.

2012 begannen die Aktivitäten für die Standorterweiterung. Dass die Wahl auf das ländlich gelegene Shelby fiel, hat gute Gründe: „Unsere Kunden sind in unmittelbarer Nähe, so können wir schnell auf Anfragen reagieren und haben kurze Lieferwege“, berichtet Werkleiter Jan-Christoph Schwarck. Im Juni 2012 gab es ein erstes Treffen zwischen KSM, Vertretern des Cleveland County und der Stadt Shelby. Ende des Jahres wurde die KSM Castings NC Inc. gegründet. Im Juli 2013 war es dann so weit: Am 120 Blue Brook Drive wurde der Grundstein für das neue Werk gelegt. 55 Mio.$ flossen in den 11.200 m² großen Bau, davon gingen allein 38 Mio.$ in die Druckgussfertigung mit zwei 750t- und einer 900t- Maschine sowie in die Bearbeitungslinien. Die Bauabnahme erfolgte nur zehn Monate später im Mai 2014. Das erste Bauteil konnte bereits im August produziert werden. Im Sommer 2015 kamen drei weitere Druckgussmaschinen mit einer Schließkraft von 3.000t bzw. 1.350t für die Produktion von Getriebegehäusen und Getriebeinnenteile dazu. Seitdem laufen hier für den Kunden ZF über 18.500 Getriebeteile wöchentlich vom Band.

Damit ein Getriebegehäuse den hohen Qualitätsanforderungen genügt, sind zahlreiche Prozessschritte notwendig: Vom Schmelzen, über das Gießen, Abkühlen, Stanzen, Stahlen sowie die mechanische Bearbeitung. Darüber hinaus bestehen hohe Sauberkeits- und Restschmutzanforderungen für Getriebe- und Getriebeinnenteile. Deshalb werden sie im letzten Fertigungsschritt gründlich gewaschen und anschließend einer Dicht- und Durchflussprüfung unterzogen. Schwarck: „Ölführende Bauteile müssen absolut druckdicht und sauber sein, ansonsten sind sie unbrauchbar.“ Die bearbeiteten Bauteile gehen dann direkt in die Fertigungslinie des Kunden zur weiteren Montage.

Damit das hohe Arbeitsvolumen und die komplexen Prozesse bewältigt werden können, hat KSM am Standort Shelby bisher 128 hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte eingestellt. Der 44-jährige Kenneth Richardson ist von Anfang an dabei. Als gelernter Gießereitechnologe hat er jahrelang in einer lokalen Gießerei gearbeitet. Doch als diese vor drei Jahren geschlossen wurde, orientierte er sich neu und startete seine Karriere mit KSM. Über den KSM Werksneubau habe ich in den Medien erfahren. „Ich habe mich sofort beworben und es hat geklappt“, freut sich Richardson, während er an einer Druckgussmaschine steht und die gegossenen Bauteile überprüft. „Bei KSM konnte ich gleich in meinen alten Beruf einsteigen und mich weiter entwicklen.“ Dass innerhalb eines Jahres aus dem Nichts eine hochmoderne Fertigungshalle gebaut und in Betrieb genommen wurde, macht ihn stolz. „So etwas gab es in Shelby bislang noch nicht. Deshalb sind wir 2014 von der Cleveland County Chamber of Commerce sogar mit dem ‚Industry of the year‘-Award ausgezeichnet worden“, erklärt Schwarck, Werkleiter.

Auch die Zusammenarbeit mit den europäischen Kollegen klappe gut. Hermann Coen etwa ist einer von sechs Expatriates, die KSM von Europa nach Shelby geschickt hat. Er kam aus dem KSM-Werk in Wuppertal, wo er eine Anlage in Betrieb genommen hat, die danach nach Shelby verlagert wurde. Hier betreut er sämtliche in Betrieb genommene Anlagen. Mit seinem Engineering-Team testet er die Programme für die komplette Fertigungslinie. Coen fühlt sich wohl in Shelby: „Das Team, die Stimmung und auch die Zusammenarbeit mit den amerikanischen Kollegen sind super.“ Vieles könnten sie voneinander lernen und Erfahrungen weitergeben, berichtet er.

Die gute Auftragslage in Shelby macht auch Werkleiter Schwarck stolz: „Die Kundenzufriedenheit verdeutlicht unsere hohe Qualitätsrate. Im ersten Lieferjahr konnten wir bereits eine externe Qualitätsrate von nur 155ppm erreichen.“ Auch zukünftig wird die Automobilindustrie auf Energieeffizienz setzen und immer leichtere Komponenten in ihre Fahrzeuge einbauen. Ein Trend, der sich bei KSM deutlich bemerkbar macht – die Nachfrage nach hochwertigen Gusskomponenten aus Leichtmetall ist ungebrochen. Deshalb wird Mitte des Jahres der Standort um ein weiteres Gießverfahren erweitert. Auf zusätzlichen 4.600 m² soll eine neue Halle mit CPC-Gießmaschinen (Counter Pressure Casting) entstehen. 27 Mio.$ investiert KSM in den Bau und ersten Produktionsmaschinen. Und auch hier ist noch Luft nach oben: Bei Bedarf kann KSM die geplanten CPC-Kapazitäten vervierfachen. Um den CPC-Ausbau zu unterstützen wird KSM bis 2022 noch ingesamt 80 Mio. $ investieren und 80 weitere Mitarbeiter einstellen. Insgesamt wird KSM nach dem Ausbau in Shelby Investitionen von 135 Mio. $ getätigt haben und dort 269 Mitarbeiter beschäftigen. Ab 2018 soll die Produktion von Fahrwerksteilen für einen bedeutenden deutschen OEM beginnen. „Unsere Strategie, vor Ort zu sein, den Kunden unterschiedliche Fertigungsverfahren anzubieten und lokal zu beliefern, setzen wir mit dem Ausbau des Standortes fort“, erklärt Franz Friedrich Butz, CEO der KSM Castings Group.

Das CPC-Verfahren ist anders als das herkömmliche Druckguss-Verfahren. Hier können die Drücke in Ofen und Kokille unabhängig voneinander reguliert werden. So sind das Befüllen der Gießform und die Erstarrung des Materials unter Druck möglich. Ein weiterer Vorteil des Verfahrens ist die hohe Abkühlrate des Materials. Deshalb eignet es sich für Bauteile, die sehr hohen statischen und dynamischen Belastungen ausgesetzt sind. Wie etwa die geplanten Fahrwerksteile.

Doch das Engagement von KSM in Shelby geht weit über die eigentliche Produktion hinaus. Das Unternehmen arbeitet mit örtlichen Bildungsträgern an einem Konzept für ein eigenes Roboter-Trainingszentrum. Außerdem soll es künftig speziell auf KSM angepasste Ausbildungsprogramme geben. „Eine gute Ausbildung ist auch in den USA die beste Investition in die Zukunft junger Menschen. Diese gesellschaftliche Verantwortung nehmen wir hier wahr“, so Schwarck.

Und noch etwas ist neu: Unweit von Shelby hat KSM ein Engineering Office im traditionsreichen Detroit eröffnet. Das Büro betreibt KSM gemeinsam mit dem Eigentümer CITIC Dicastal. „Die Nähe zu General Motors, Chrysler und Ford war für die Standortwahl ausschlaggebend. Hier wollen wir Produkte direkt vor Ort mit unseren Kunden entwickeln, konstruieren und optimieren“, sagt Butz.

Hintergrund: Die KSM Castings Group ist die erste Adresse für automobilen Leichtbau in den Bereichen Fahrwerk, Getriebe, Motor und Lenkung. Als Spezialist für Gusskomponenten aus Aluminium und Magnesium strebt KSM die globale Spitzenposition in Technologie und Qualität an. Als ein bedeutender Zulieferer für die internationale Automobilindustrie gehört das Unternehmen zu den Top-Arbeitgebern. Verlässliche Partnerschaft, Kundenorientierung und Wirtschaftlichkeit sind wesentliche Eckpunkte der Firmenstrategie. Die Basis dafür sind erstklassige Mitarbeiter.

KSM betreibt acht Werke in Deutschland, Tschechien, USA und China mit insgesamt rund 3.300 Mitarbeitern. Zu den Kunden zählen alle bedeutenden Automobilhersteller und -zulieferer wie der Volkswagen-Konzern, Daimler, ZF, Benteler und Bosch. Das Unternehmen erzielte im Geschäftsjahr 2015 einen Umsatz von rund 520 Millionen Euro.

 

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