10 Jahre FiN – Familien in Not

Hildesheim, 02. August 2016: Johannes läuft mit seinen Mitspielern vom Spielfeld. Er hat einen roten Kopf und sein Trikot ist völlig verschwitzt, aber er strahlt über das ganze Gesicht. „Gewonnen, hast du gesehen?“, ruft er seiner Mutter zu. Sie nickt – und nicht nur das Fußballspiel.

Vor einem halben Jahr sah die Welt für Mutter und Sohn noch ganz anders aus. Vater und Mutter seit einiger Zeit arbeitslos, ständig gab es Streit. Nie war genug Geld da, um die Familie mit dem Notwendigsten zu versorgen. Johannes zog sich mehr und mehr zurück, kam in der Schule nicht mehr mit, hatte kein Interesse mehr an Freizeitaktivitäten. Obwohl er gern Fußball gespielt hätte. Aber es war kein Geld da, nicht für den Vereinsbeitrag und erst recht nicht für Fußballschuhe. Die Ehe der Eltern hielt den Belastungen nicht stand, sie zerbrach.

Verzweifelt wandte sich die Mutter an die Stiftung Familien in Not. Sie hatte gehört, dass sich die Stiftung unbürokratisch für Menschen in schwierigen Lebenssituationen einsetzt. Und sie wollte nicht durch Ämter laufen, wollte keine Anträge stellen, nicht abgewiesen werden. Sie schämte sich. Sie brauchte neuen Mut, eine Idee, eine Chance, jemanden, der sich für Sie und ihren achtjährigen Sohn einsetzt.

FiN vermittelte ihr einen Praktikumsplatz in einem Partnerunternehmen, der nach kurzer Zeit in einen Arbeitsvertrag umgewandelt werden konnte. Die Stiftung übernahm den Vereinsbeitrag für Johannes und bezahlte die Fußballschuhe. FiN organisierte eine Schülerin, die ihm half, den verpassten Unterrichtsstoff aufzuholen. Stück für Stück kehrte Johannes ins Leben zurück, fand Freunde, kam in der Schule wieder mit. Durch die Unterstützung einer Sozialarbeiterin des FiN-Netzwerkes normalisierte sich der Kontakt zum Vater. Johannes trifft ihn heute wieder regelmäßig.

„Johannes Mutter brauchte einen Anstoß, einen Impuls. Den hat FiN ihr geben können, ohne viele Fragen. Einfach, direkt und klar. Heute braucht sie keine Unterstützung mehr“, erzählt Thomas Buschjohann, „und das ist genau der Ansatz von FiN. Unkomplizierte Unterstützung wo sie gefragt ist. Bevor die Abwärtsspirale beginnt“, Buschjohann ist Mitbegründer von FiN und vom ersten Tag an bis heute dabei. „Es geht uns vor allem um Hilfe durch Selbsthilfe“, ergänzt Gisela Sowa, Koordinatorin und Ansprechpartnerin der Stiftung, „für einige Menschen setzen die staatliche Hilfen zu spät oder an der falschen Stelle an. Sie benötigen in einer scheinbar verfahrenen Situation Verständnis und Vertrauen in sich und die eigenen Kräfte. Wir bauen gemeinsam eine Brücke, die sie wieder in ihr Leben führt, manchmal auch die ganze Familie.“

Seit zehn Jahren gibt es FiN. Seit fünf Jahren arbeitet und hilft die Stiftung auf unterschiedlichen, teils unkonventionellen, Wegen Menschen in Notsituationen. Meist geht es weniger um materielle Unterstützung als vielmehr um Chancen.

Chancen entstehen durch breite Vernetzung. Mit der Unterstützung der Diakonie, durch Sozialpartnerschaften mit Unternehmen, Institutionen und privaten Unterstützern ist FiN heute gut aufgestellt und hat sich tatsächlich zu einem „Chancengeber“ entwickelt. Viele Menschen und Unternehmen sind bereit, sich sozial zu engagieren und ihre Zeit, ihre Anstrengungen und natürlich auch finanzielle Mittel nachhaltig einzusetzen, ohne Abhängigkeiten zu schaffen. So sehen es jedenfalls die 19 Förderer der Initiative. Unter ihnen die KSM Castings Group, die die Initiative seit ihrer Gründung unterstützt. „Es ist ein Signal in die Gesellschaft aber auch an unsere Mitarbeiter, dass wir uns neben unseren Unternehmensinteressen für die Menschen interessieren und engagieren. Oft reichen kleine „Anstöße“, die dann häufig einen großen Effekt haben. So wie der berühmte Flügelschlag des Schmetterlings“, sagt Franz Friedrich Butz, CEO der KSM Castings Group.

Die Initiative FiN entstand 2005 aus einer Einzelspende und einer Idee. 2011 wurde aus dem Nachlass von Gertrud Zscheile die Stiftung „Familien in Not Hildesheim“ gegründet. Heute begleitet, berät und fördert FiN jährlich etwa 40 bis 50 Familien.

Das Besondere an FiN ist die soziale Partnerschaft: Menschen, Unternehmen und Institutionen leisten ihren Beitrag für die Gemeinschaft. Frühzeitig, direkt und nachhaltig – und mit großem Effekt.

Weitere Informationen zu FiN erhalten Sie unter www.fin-hildesheim.de.

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